ISBN is

978-3-10-062908-1 / 3100629086

Morbus Kitahara.

by Christoph Ransmayr

Edition:Softcover

Language:German

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About the book:

Im Jahr 1988 erschien in der angesehenen Anderen Bibliothek -- damals wie heute eine der besten Adressen für den Bücherfreund -- Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt. Der österreichische Autor schildert darin sprachgewaltig das Exil des römischen Dichters Ovid am Schwarzen Meer. Die Literaturkritik feierte das Buch als eine literarische Entdeckung ersten Ranges, und man wartete gespannt auf die nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich war man ja von der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nicht sonderlich verwöhnt. Die Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der Papst aller Literaturpäpste, Marcel Reich-Ranicki, herab und sprach mahnende Worte an den säumigen Dichter.

Doch das Warten hat sich gelohnt. Im Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer Verlag, Morbus Kitahara. Und schon die ersten Zeilen zeigen, daß der 1954 im oberösterreichischen Wels geborene Autor nach wie vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller seiner Generation ist. Alleine durch den rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen. Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die Handlung mit dem Wissen um die jüngste Vergangenheit in Beziehung zu setzen.

Der überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen europäischen Krieges Bering, einer der drei Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar diesen Krieg und die Brutalitäten der Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon bald werden Schienen, Fabriken und Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die Einwohner von Moor und Umgebung werden von den Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.

Als junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen interessierte Schmied von Moor, den "Hundekönig" Ambras kennen, einen ehemaligen Häftling des Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter. Bering repariert nach einem Unfall den Wagen Ambras', die einzige Limousine in weitem Umkreis, und erschafft in wochenlanger Arbeit ein Kunstwerk, ein Fahrzeug in Vogelform. Er greift hierfür auf seinen Eisengarten zurück, der sein Haus umwuchert und die benötigten Ersatzteile abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs". Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld trüber und trüber wird, sich mehr und mehr verfinstert. Seine Augenkrankheit trägt den klingenden Namen Morbus Kitahara.

Auch Lily, die "Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt sie sich immer wieder auf Schleichwegen durch das Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang gehegter Traum, eine Reise nach Brasilien, erfüllt sich schließlich als die Besatzungsmacht beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf die weite Reise.

Doch diese Inhaltsangabe ist für den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die zentrale sprachliche Dimension des Werkes vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser düsteren Gegend, des Eisengartens und der vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem geistigen Auge des Lesers/der Leserin eine ganz einzigartige Welt entstehen. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) ist es auch ein politischer Roman, etwa wenn Ambras seine grausamen Erlebnisse im Steinbruch schildert oder wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort inhaftiert wurde. Und gerade diese außergewöhnliche Kombination von Poesie und Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu verzichten. Auch das ist ein Signal für die oft Nabelschau betreibende deutschsprachige Gegenwartsliteratur der letzten Jahre. Christian Köllerer

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